Der digitale Kanton Glarus steht in den Startlöchern

Echte Innovation am Digital Economic Forum in Zürich

Der digitale Kanton Glarus wird Realität. Innert lediglich 12 Wochen hat die Glarner Kantonalbank zusammen mit den kantonalen Technischen Betrieben und der HIAG Data AG die Basis für die „schnellste und günstigste Datenautobahn der Alpen“ geschaffen. Das Projekt als neue Basis des Wirtschaftens für eine periphere Region wurde am Mittwoch am Digital Economic Forum (DEF) in Zürich als Primeur präsentiert.

Der digitale Graben in der Peripherie ist mit einem grossen Sprung überwunden worden, lobte der Glarner Nationalrat und BDP-Präsident Martin Landolt das Projekt. „Das Zusammenspiel der verschiedenen Stakeholder, um gute Rahmenbedingungen für Investitionen zu schaffen, ist offenbar im ländlichen Raum einfacher als in urbaner Anonymität“, erklärte Landolt an einem Medienroundtable und einer Paneldiskussion am DEF. Die Politik müsse dabei weder regional noch national regulieren, sondern solche Projekte zulassen und Freude haben. Für Glarus sei diese digitale Infrastruktur von eminenter Bedeutung, auch um Pendlerströme in beide Richtungen zu durchbrechen und um eine optimale Basis für das Wirtschaften zu realisieren.

Hanspeter Tinner, COO der HIAG Data AG, machte deutlich, dass das Unternehmen als technischer Enabler grundsätzlich daran interessiert ist, Industriebranchen digital zu erschliessen und den Unternehmen, die für die neue Arbeitswelt nötige Infrastruktur zu bieten. Entsprechend gross sei das Interesse gewesen, in Zusammenarbeit mit der Glarner Kantonalbank als Initiantin ein innovatives, schnelles und vor allem sicheres Netz für die gesamte Region zu realisieren, erklärte Tinner. „Wir stellen mit 9,6 Terrabit die grösste Bandbreite für ein unabhängiges, schnelles und günstiges Glasfasernetz zur Verfügung, an das geschäftskritische Applikationen und Daten angeschlossen werden können. Als Empowerment für den Kanton habe man zusammen mit den kantonalen Technischen Betrieben und der Kantonalbank ein Pionierwerk geschaffen.

Es funktioniert

Peter Rufibach, Präsident der Glarner Handelskammer und Verwaltungsrat der Kantonalbank ist stolz, dass eine initiative Glarner Kantonalbank mit enormem Drive dieses Projekt ermöglicht hat. „Die Kantonalbank zeigt damit, dass nicht nur mit dem klassischen Bankgeschäft Geld verdient werden kann. Wir hoffen, damit sicher zu stellen, dass bestehende Firmen beste Voraussetzungen haben, aber auch neue Unternehmen anziehen zu können. Grundsätzlich sehe ich keine Risiken und wir stärken damit das lokale Gewerbe“, zeigte sich Rufibach überzeugt.

„Es funktioniert“, erklärte Ralf Luchsinger, CIO der Kantonalbank und Vizepräsident der ebenfalls neu gegründeten Initiative NüGlarus. „Wir können jetzt Digitalisierung und Wirtschaft zusammenbringen und das Projekt koordinativ begleiten“, ist Luchsinger überzeugt. NüGlarus soll mithelfen, dass über die schnellste und günstigste Datenautobahn der Alpen neue Startup-Dienstleistungen und Co-Working Möglichkeiten in allen grösseren Orten realisiert werden. Zudem will sie gemeinsame Innovationsstrukturen und die Verwaltung bei der Einführung von E-Government unterstützen. Der digitale Kanton biete jetzt einen riesigen Werkzeugkasten und NüGlarus habe die Aufgabe, dieses Potential zu vermitteln, ergänzte Hanspeter Tinner.

Digitalisierung und Cyber Security

Das dritte Digital Economic Forum hatte am Mittwoch die massiven Auswirkungen der unaufhaltsamen Digitalisierung auf die Gesellschaft und die Cyber Security zum Thema. Als integrierte Diskussionsplattform präsentierte das DEF eine grosse Bandbreite an Erfahrungen und Wissen und damit einen deutlichen Mehrwert und Lösungsansätze für die digitale Transformation in Unternehmen mit praktischen Inputs, Business Tracks und State-of-the-art zu Themen wie Sicherheit und Datensouveränität als Leadthemen.

Für Dr. Thomas Vollmoeller, CEO des Businessnetzwerkes XING mit, war es am vorabendlichen Networking-Dinner wichtig, „auch ein Privatleben zu haben und eine Balance zwischen einer sinnvollen Arbeit und einem besseren Worklife zu erreichen. Der digital Native Philipp Riederle, präsentierte die Ansprüche der Millenials an Job und Leben, der Gentlemenhacker FIL vom Team Red machte deutlich, dass Privatpersonen, Organisationen und Unternehmen, die Ziel einer Hackerattacke werden, keine Chance sich zu wehren. Wichtig sei das persönliche Verhalten und das Bewusstsein, dass diese Unsicherheit permanent bestehe.

Auch der Kommunikationspunk Sascha Lobo, Autor, Blogger und Strategieberater wartete mit einer breiten Standortbestimmung zu den Auswirkungen der Digitalisierung auf die Gesellschaft auf. Als VBS-Verantwortlicher für die Risikoanalyse in allen Belangen der Informations- und Cybersicherheit wusste Ferdinand Kobelt um die massive Relevanz, die enormen Chancen, aber auch die beispiellosen Risiken des nicht mehr aufzuhaltenden Internet of Things. Den Abschluss bildete der Wirtschaftsphilosoph Anders Indset mit der eindringlichen Forderung, dass die Philosophie von gestern mit der Wissenschaft und Technologie von morgen gepaart werden müsse. In verschiedenen Businesstracks präsentierte das DEF ausserdem erfolgreiche Visionen, Konzepte und Ideen zur Bewältigung der digitalen Herausforderungen. Oliver Stoldt, Gründer und CEO des DEF zeigte sich zufrieden mit dem ausverkauften Anlass.

Bilder: Marco Stalder, azure art