Nach dem grossen Erfolg des DEF19 in Zürich bietet des Digital Economic Forum eine komprimierte Veranstaltung für die Zentralschweiz an. Es versteht sich als Trialog und Austauschplattform in den drei Dimensionen Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft.

Im Fokus des DEF Zentralschweiz steht die Diskussion zu Fragen, ob sich die Digitalisierung als Disruption oder mehr als Transformation versteht? Welche Herausforderungen bestehen für Schweizer Unternehmen und Entscheidungsträger? Was bedeutet diese Veränderung für die Arbeitswelt und die Gesellschaft? Wie können wir Innovation, Technologie oder Rahmenbedingungen unseres Standorts gezielt in Nutzen umsetzen?

Thematisiert werden unter anderem Chancen und Herausforderungen im Schweizer (Online-) Handel sowie gesellschaftliche, politische, ökonomische, technologische und ökologische Chancen und Gefahren des Digitalen Wandels.

Katja Stauber, vielen bekannt als Tagesschau-Moderatorin, führt durch den spannenden Abend und leitet im Anschluss an die Referate auch die Podiumsdiskussion mit Ständerat Damian Müller und den Referenten Marc Gläser, CEO und Mitinhaber Stöckli Swiss Sports AG, Roland Brack, Gründer und Inhaber BRACK.CH, Dr Clemente Minonne, Leiter Forschungsgruppe „Digital Business Engineering“, Hochschule Luzern, und Ariel Lüdi, Gründer www.hammerteam.com. 

DEF-Veranstalter Thomas Zwahlen begrüsste die rund 100 Teilnehmenden und stellte eine paar Aspekte der Digitalisierung aus Sicht der Digitalisierung im Gesundheitswesen vor. Dabei wies er auch auf die Problematik des Datenschutzes hin. Er plädierte für ein gutes griffiges Gesetz, das die grosse Anzahl an personlichen Daten für die Forschung mitberücksichtigt.  

Stöckli hat noch keinen E-Shop aber zahlreiche Digitalisierungsprojekte

Moderatorin Katja Stauber stellte Marc Gläser, CEO und Mitinhaber Stöckli Swiss Sports AG vor. Er wies darauf hin, dass die Art der Digitalisierung unternehmensabhängig sei und nicht nur E-Shop bedeute. Stöckli ist auf der Basis des Kundenbedürfnisses inzwischen stark geprägt durch die Digitalisierung. Die Ziele sind Wachstum über digitale Innovation und Effizienz über digitale Transformation. Das habe Einfluss auf die Organisation und die Technologie. Damit hat Stöckli in allen Handlungsfeldern etliche digitale Initativen am laufen oder bereits umgesetzt. Als Beispiele zeigte er die Effizienzsteigerung beim Kreditorenworkflow, den digitalen Datenaustausch im Retail, die Messung der Kundenzufriedenheit (Net Promoter System), Ablösungen des herkömmlichen Kassensystems oder digitales Qualitätsmanagment und vernetzte Prodution im Rahmen des Projekts Industrie 4.0. Der E-Shop komme dann im Mai 2020, schloss Marc Gläser.

Es gibt Nichts, das es bei Brack nicht gibt.

Roland Brack, Gründer und Inhaber von BRACK.CH. sprach zum Handel im Wandel. Angefangen habe er mit IT-Produkten und Multimedia. Heute geht das Sortiment in alle Konsumbereiche, ausser frische Lebensmittel, erklärte Brack. Heute wird rund um die Uhr und rund um die Welt eingekauft. Wir profitieren von dieser Entwicklung und bieten inzwischen über 200’000 Artikel von mehr als 2’700 Herstellern. Als Erfolgsfaktor bezeichnete er die Logistik-Innovation und das schrittweise Vorgehen bei der Automatisierung. So konnten wir ein Oekosystem der Logistik realisieren, das einzigartig ist. Digitalisierung verändert die Spielregeln, nicht mehr die grossen Fische fressen die kleinen, sondern die schnellen die langsamen. Deshalb ist unser Fokusthema: Erster Sein. Wir wollen mit agilen Methoden schnelle Lösungen schaffen. Auffallend sei, dass die ausländischen Shops gigantisch wachsen und in der Schweiz künftig die Topshops alle ausländische Anbieter sein werden, schätzte Brack. In diesem Umfeld könne sich Brack behaupten durch Schweizer Werte wie hohe Qualität und erstklassigen Service. Lieber pragmatisch vorwärts kommen, als perfekt still stehen, schloss Brack seinen Vortrag. 

Digitaler Wandel – Haben oder Sein

Dr Clemente Minonne, Leiter Forschungsgruppe „Digital Business Engineering“ an der Hochschule Luzern sagte, er habe sich aus der Komfortzone bewegt. Digitalisierung bedeute wirtschaftliche Transformation, welche in der Konsequenz einen gesellschaftlichen Wandel erfordere. Er wies auf das Werk „Haben oder Sein“ des Philosophen Erich Fromm hin. Er sagte vor über 40 Jahren, dass wir nicht länger Herren der Technik, sondern werden zu ihren Sklaven und die Technik zeigt uns ihr wahres Angesicht als „Göttin der Zerstörung“. Vor über 40 Jahren herrschten bereits Megatrends, die heute noch existierten. Innovation bedeutete in der Vergangenheit vor allem Wohlstand, erklärte Minonne. Im Jahr 2007 sei eine Art Urknall geschehen. Das Zeitalter der Beschleunigung habe damals einen grossen Schritt gemacht mit Facebook, Google, Apple Iphone, Amazon usw…Der Ausweg aus diesen beschleunigten Change-Prozess sei Learning Faster, sagte Minonne mit HInweis auf Expertenmeinungen. Wohlsein sei die neue Zielrichtung. Er verwies dabei auf den Philosophen Richard David Precht, den Rockstar der Philosophie mit seiner Kritik an den Technikern, die den Menschen noch nie verstanden hätten. Dabei gebe es auch eine Prechtsche Antithese von Tobias Straumann: „Diesmal ist nicht alles anders“. Die Schweiz ist nach Ansicht von Minonne mit der digitalen Strategie des Bundesrates gewapnet, schätzte Minonne. Interdisziplinarität sei das Stichwort für eine erfolgreiche Zukunft.  

Lebenswerk wie ein Abenteuer

Ariel Lüdi, Gründer www.hammerteam.com fand das der Begriff Digitalisierung inzwischen irgendwie nervt. Sind eigentlich alle verrückt geworden, fragte sich Lüdi. Man muss immer wieder etwas neues lernen. Unsere Generation musste extrem viel adaptieren. Ist Digitalisierung ein Technologiesprung oder einfach ein Hype. Visionen auf der Basis bestehender Technologien haben sich in der Vergangenheit und auch in der Gegenwart als nicht realisierbar erwiesen. Warum Digitalisierung jetzt und nicht früher, fragte Lüdi. Der „Perfect Storm“ verganger Technologiesprünge habe eine disruptive Kraft wie die eines neuen Technologiesprunges. Wer das nicht gemerkt habe, sei verschwunden (Kodak, Blockbuster Video, Polaroid, digital usw). Es gebe also viele Leichen auf dem Weg der Digitalisierung. Er wolle die Innovationskraft des Schweizer Softwaremarktes erhöhen. Jedes Unternehmen müsse neugierig sein, was auf dem Markt passiert. Im Moment habe er 22 Projekte, sagte Lüdi. Als Beispiele nannte er die Unternehmen Squirro und Scandit. 

Moderatorin Katja Stauber führte die Referenten auf dem Podium zusammen. Dazu gesellte sich der Luzerner FDP-Ständerat Damian Müller. Er verwies auf die politische Dimension der Digitalisierung. Die Unternehmer fanden, dass zum Teil zu wenig reguliert sei und die Firmen und Banken Angst hätten innovative Projekte zu unterstützen. Man müsse die Ängste rund um die Digitalisierung ernst nehmen, erklärte Müller. Digitalisierung sei nicht nur disruptiv, wurde in der Diskussion festgestellt. In der Bildung werde immer mehr Erfahrung abgefragt und immer weniger Wissen. Ständerat Müller zeigte sich erfreut und dankbar, dass das Digital Economic Forum aus dem „grossen“ Zürich auch nach Luzern gekommen ist. 


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