Live-Bericht von Reiny Schnyder

Mit dem DEF@home hat das Digital Economic Forum DEF wegen der Covid 19 – Krise am Mittwoch die erste digitale Konferenz in der Schweiz realisiert. Als Ersatz für die Konferenz, die heute in Zürich stattfinden sollte, hat DEF-Initiator Thomas Zwahlen das DEF@home kurzfristig realisiert.

In spannenden Gesprächen moderiert von Stephan Klapproth beleuchteten unter anderem der Trend- und Zukunftsforscher Matthias Horx, dass gerade die Coronakrise zeigt, dass der Mensch die Zukunft in der Hand hat und wie konstruktive Visionen Gesellschaft und Wirtschaft verändern können. Zudem haben ehemalige DEF-Speaker zur aktuellen Situation Stellung genommen und eine Expertenrunde diskutierte darüber, ob die Digitalisierung eine richtige Therapie gegen Epidemien ist.

„Worauf die Krise am meisten Einfluss hat ist die Alltagskultur“, sagte Horx. Damit entstünden neue Freiräume im Denken und Fühlen. Man konnte plötzlich sehen, dass man das Hirn verändern, Pläne machen und sie verfolgen kann. Die Corona-Krise hat die digitalistische Illusion gestoppt. Gleichzeitig wurde ein Schub von humanisierter Digitalisierung gemacht, eine real digitale Strömung! Eine Synthese von analog und digital, erklärte Horx.

Alte soziale Fragen würden neu gestellt. Die meisten europäischen Gesellschaften hätten das gut bewältigt, dagegegen hat gefühlt potente Regierungen wie USA oder England versagt. Lokale Märkte würden gestärkt, aber die Globalisierung werde nicht aufhören. Es brauche die richtige Balance, sprich Glokalisierung. Man soll sich von der Krise berühren lassen. „Das Alte hat keine Zukunft, alles das überbeschleunigt war, sind die Branchen, die in die Krise geraten“, sagte Horx. Das „Menschen spüren“ werden wir nie durch digitale Strategien ersetzen können. „Man muss in die Zukunft verliebt sein“ erklärte der selbsternannte „Possibilist“ Horx.

Marianne Wildi, CEO Hypotherkarbank Lenzburg, war verblüfft, wieviel sie in so kurzer Zeit in verschiedenen Bereichen lernen konnte. Ich habe gelernt, dass die Corona-Krise uns gelernt hat, bewusster mit den Menschen umzugehen. „Es hat sich wirklich was verändert“, sagte Wildi. Erstaunlich war die unterschiedlich und gegensätzlichen Reaktionen der Mitarbeitenden und Kunden. Für sie persönlich habe sich die Lebenssituation verbessert und entschleunigend ausgewirkt.

Ariel Lüdi, „Anti“-Venture Capitalist, hatte eine morbide Faszination zu sehen, wie sich die Dinge, die als wichtig und richtig gelten, einfach auflösten. Es ist nicht alles gegeben, wie wir es erwarten, erklärte Lüdi. Man soll schnelle Entscheidung fällen und dann ausbessern und auf Veränderungen reagieren können. Man muss die offensiven Massnahmen entwickeln, um in Krisensituation positiv herauskommen zu können und eben auch neue Konzepte und Ideen zu entwickeln. „Wir haben gelernt, dass es auch anders geht“, sagte Lüdi.

Roland Brack, Gründer brack.ch, unterstützte Lüdi in seiner Argumentation. Normalerweise sei gemeinsamer Erfolg der grösste Motivator um überdurchschnittliches zu leisten. Jetzt war die Hauptmotivation meiner Leute „zu helfen“, um die Krise zu bewältigen. Die Digitalisierung wird zunehmen, meinte Brack. Vor allem in dem Sinne, dass auf Reisen und Meetings verzichtet werden kann. Brack sah deshalb die Kriste primär als Digitalisierungsbeschleuniger. Die Krise habe vor allem auch die Mitarbeitenden zusammengeschweisst.

Prof. Jan-Egbert Sturm, Direktor KOf ETHZ, war gezwungen, auf viel schnellere Prognosen (Wochen- und Tagesprognosen, statt Monats und Vierteljahr-Prognosen) umzustellen, weil die Nachfrage danach explodiert ist. Wirtschaftlich gehen wir von 32 Milliarden Verlusten in den Monaten März und April aus. Die Unsicherheit ist gross, was im ganzen Umfeld, in Europa, China und Amerika geschieht. Es könnten aber nicht alle Prozesse wieder gleichzeitig schnell aufgestartet werden, schätzte Sturm. Solange wir keine Medikamente haben, würden wir nicht mehr auf 100 Prozent der Wirtschaftsleistung zurückkommen.

Prof. Dr. Hugo Sax erklärte, das die Digitallösungen in seinem Gebiet Instrumente seien, welche die epidemologischen Analysen vereinfachen. In seinem Gebiet hinke man digital noch hinterher, sagte Sax. Wir haben auch aus der Krise gelernt und versucht, mit den Daten die wir hatten, in die Zukunft zu sehen. Man muss voraussehen und die Zukunft prognostizieren.

Empa-Direktur Prof. Dr. Gian-Luca Bona sagte zur Maskendiskussion, dass es nicht um die Maske geht, sondern um den Menschen dahinter, der die Hygienemassnahmen und die Disziplin einhält. Bona wies darauf hin, dass in den Forschungslaboren neue Maskentypen entwickelt werden, z.B. transparente Masken, die die gleiche Wirkung haben. Im Moment gehe es darum, genügend wirksame Masken zu haben, erklärte Bona.

Dr. Klaus Höffgen, Chief Digital Officer Rheinland Klinikum, sagte, dass bei der Digitalsierung verschiedenste Bereiche betroffen sind und durch die Krise erhebliche Schritte nach vorne unternommen wurden.

Damian Müller, FDP-Ständerat LU, plädierte dafür, dass das Parlament auch in künftigen Krisen (Pandemien oder Cyberattacs) handlungsfähig bleibe. Er lobte den Bundesrat für seine Arbeit. Es sei aber immer einfacher zu schliessen, als wieder zu öffnen, erklärte Müller. Alles was auf Distanz möglich sei, müsse jetzt wieder geöffnet werden. Wir müssen unter dem Strich auch weiterhin wieder die Konsumation ankurbeln, um eine Rezession zu verhinder oder mindestens zu meistern.

In der anschliessenden Diskussion wurde auch die Privatsphäre im Zusammenhang mit den epidemologischen Daten und den Patientendaten zum Thema und die Maskenproblematik wurde erneut besprochen. Telemedizin und Ferndiagnosen hätten einen nachhaltigen Effekt, schätzten die Gesundheitsexperten.

Ankündigung DEF21: Das ganztägige DEF21 mit Richard David Precht und weiteren Expertinnen und Experten ist aufgrund der aktuellen Coronasituation auf den 15. April 2021 verschoben.


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