Innovationen, Verantwortung und Nachhaltigkeit stehen bei der gegenwärtigen Transformation des alpinen Tourismus ganz oben auf der Pendenzenliste. An einem Forum mit ausgewiesenen Fachleuten thematisierten die Gotthardkantone als Partner des Schweizer Pavillons diese Entwicklung am 27. Oktober an der Expo 2015 in Mailand. Rund 50 Fachleute, Interessierte aus den Bereichen Tourismus, Umwelt und Wirtschaft sowie Medienschaffende setzten sich mit dem Thema auseinander.

Unter den Teilnehmenden war man sich einig, dass der Tourismus als substantieller alpiner Wirtschaftszweig vom Klimawandel direkt betroffen ist. Gefragt ist deshalb ein hohes ökologisches Verantwortungsbewusstsein in Einklang mit ökonomischer Leistungsfähigkeit. An dem Forum im Schweizer Pavillon wurde auch anhand von Beispielen diskutiert, wie Tourismus künftig gewinnbringend, aber auch nachhaltig für die Umwelt, bewirtschaftet werden kann. Tiziano Pelli von Schweiz Tourismus wies darauf hin, dass Nachhaltigkeit zum Lifestyle wird und mehr als ein Verbrauchertrend ist.

Das neue Urlaubsparadigma dabei sei heute Naturnähe mit Komfortanspruch, also Reisen mit gutem Gewissen, aber ohne Entbehrung, sagte Pelli. Dieses geänderte Umfeld führe entweder zur Redimensionierung oder zu kompromisslosem Fokus auf Innovation, Qualität, Differenzierungen und zur Diversifikation in neue Märkte und Nachfrageströme. Und das im Umfeld von drei gewichtigen Herausforderungen: Die Bereitschaft für nachhaltige Einzelleistungen mehr zu bezahlen sei minimal, Landschaften und damit auch die Berge seien momentan nicht im Trend und der starke Franken verstärke die Ausgangslage dramatisch.

Energische und einschneidende Lösungen sind gefordert

Für Prof. Claudio Visentin (USI, Lugano) sind die Auswirkungen des Tourismus auf die verschiedenen Kulturen der Welt besorgniserregend. Der internationale Tourismus hinterlasse tiefe Spuren in der Umweltbilanz und es sein ein Paradox, „dass wir reisen, um die Schönheit und Vielfalt anderer Orte, Menschen und Kulturen kennen zu lernen, aber unsere Präsenz dort oft nicht wieder gut zu machende Folgen auf die Ökobalance hat“, erklärte Visentin. Die Tourismusbranche und die Destinationen würden sich immer mehr dieses Problems bewusst, aber noch nicht mit der nötigen Sorgfalt. Die Bergregionen seien an vorderster Front in diesem Szenario, warnte der Tessiner Professor. „Die Krise des Wintertourismus als Folge des Klimawandels und der Wandel der Ansprüche der Gäste erforderten energische und einschneidende Lösungen“.

Lebensraum im Dreieck von Landschaft, Produkten und Menschen

Alexandra Mair (SMG Südtirol Marketing) bestätigte die von Pelli aufgezeigten Megatrends und zeigte an „Best Practice“-Beispielen auf, wie sich das Südtirol als Lebensraum im Dreieck von Landschaft, Produkten und Menschen positioniert. Die Hauptelemente seien dabei Nachhaltigkeit, alpine Kompetenz, die Architektur und die Kultur des Täglichen. Als Beispiele erwähnte Mair dabei sogenannte Green Hotels mit Ecolabels, Green Projects in den Bereichen Verkehr und Events sowie die Optimierung bei den Produkten und logistischen Kreisläufen mit Fokus auf die Authentizität. Das Angebot und die Nutzung von ökologischen Produkten soll der Motor für die Entwicklung und das Wachstum des Südtirols sein, erklärte Mair.

In der anschliessenden Podiumsdiskussion mit den Referenten wurden einige Beispiele der Reaktion auf diesen touristischen Wandel kurz aufgezeigt. Edith Zweifel (Zermatt Tourismus) verwies auf die bereits jahrelange Tradition der autofreien Destination Zermatt und einem sehr gut ausgebauten öffentlichen Verkehrsnetz und die Bergbahnen. Rocco Cattaneo zeigte auf, wie die Wasserwelt Splash & Spa in Tamaro am Ceneri eine hohe Nachfrage der touristischen Gäste erfüllt und Cassiano Luminati wusste das italienischsprachige bündnerische Südtal Puschlav als naturnahe Region in relativer Nachbarschaft zur bekannten Destination St. Moritz in Szene zu setzen.