Alpensymposium 2018

Europa stellt sich einem politischen Gegenwind, obwohl es wirtschaftlich offenbar wieder aufwärtsgeht. Am Alpensymposium 2018 rechnete der Wirtschaftsphilosoph Anders Indset angesichts der rasanten Entwicklung bei der künstlichen Intelligenz mit einer „Intelligenzexplosion“ und sogar dem „Homo obsoletus“. Der politische Philosoph und ehemalige deutsche Bundespräsident Joachim Gauck dagegen plädierte hinsichtlich der populistischen Bewegungen in Europa für eine „robuste Ziviliät“ und Gelassenheit in einem demokratischen Diskurs. Einen ruhenden Pol, der die Sicht auf nationale und internationale Entwicklungen aus der Schweiz heraus ermöglicht, bildet seit Jahren im Januar das Alpensymposium in Interlaken. Rund 950 Unternehmer und Führungspersönlichkeiten haben sich auch 2018 in spannenden Referaten und Keynotes einen willkommenen Kick-off für das neue Jahr abgeholt.  Und das beliebte Symposium im Grandhotel & Spa Victoria-Jungfrau bot erneut beste Gelegenheiten für wertvolle persönliche Kontakte, Geschäfte, Client Relations und gesellschaftliche Präsenz.

Artificial General Intelligence

Anders Indset, weltweit einer der führenden Wirtschaftsphilosophen, öffnete eine neue Sichtweise auf die „Kunst des Denkens“. „Artificial Intelligence (AI) ist bereits überall und wir stehen vor den Türen der Artificial General Intelligence (AGI) mit Quantum Computing, führte Indset den Gästen des Alpensymposiums vor Augen. „Unterschätzen Sie nicht die Geschwindigkeit, mit der wir unterwegs sind“. Es entstehe eine Intelligenzexplosion, auf die wir keine Antwort und keine emotionale Reaktion hätten. Diese Entwicklung könnte sogar dazu führen, dass der Mensch obsolet, quasi zum „Homo obsoletus“ werde, warnte Indset.

Ganz anders der weise deutsche alt-Bundespräsident Joachim Gauck: Er plädierte für Gelassenheit und wünschte sich ein „Antihisterikum“. Angesichts der populistischen Bewegungen in Europa sei die Tendenz, das Erbgut der Demokratie in Frage zu stellen, spürbar. Er sei aber überzeugt, dass die Menschen immer noch zu einem zivilen Diskurs fähig seien, meinte Gauck. Dazu brauche es eine gewisse Gelassenheit und eine „robuste Zivilität“. Kommunikation werde ein Hauptthema der Politik, insbesondere wenn es darum gehe, komplizierte Vorgänge „erhellend“ zu vereinfachen.

Europa als Antwort auf das 21. Jahrhundert

Als politischer Antipode brach der ehemalige deutsche Finanzminister Peer Steinbrück eine Lanze für ein „demokratisches Europa als Antwort auf das 21. Jahrhundert“. „Kein einziges Thema kann noch in einem nationalen Rahmen gelöst werden“, war Steinbrück überzeugt. Europa sei erheblich herausgefordert durch den Brexit, durch wirtschafts-, finanzpolitische und demographische Probleme ebenso wie die Unsicherheiten über die Auswirkungen der gegenwärtigen amerikanischen und russischen Politik. Die Wirtschafts- und Währungsunion mit dem Euro jedenfalls müsse stabilisiert werden, um Europas Wohlstand weiter zu entwickeln, erklärte Steinbrück. Ausserdem brauche es ein eigenes aussen- und sicherheitspolitisches Konzept. Ein Rückzug in die „eigene Wagenburg“ sei falsch und biete nicht mehr, sondern weniger Sicherheit. In der Beziehung zur Schweiz müsse insbesondere das Freizügigkeitsproblem gelöst werden, ansonsten sehe er keine grossen Probleme.

Schwermetall

Der britische Tausendsassa Bruce Dickinson, Sänger der Heavy Metal Band Iron Maiden, schlug einen weiten Bogen über sein vielseitiges Leben als Musiker, Berufspilot, Unternehmer und kreativer Denker. Nach zwölf Jahren bei Iron Maiden startete er eine Karriere als Solomusiker, Pilot und Unternehmer und bewegte mit Grossflugzeugen eine weitere Art von Schwermetall. 1999 kehrte er zur Band zurück. Die Welttournee 2015/2016 absolvierte Iron Maiden mit „Ed Force One“ einer eigens umgebauten Boeing 747, die von Dickinson geflogen wurde. Als Unternehmer im Bereich Aviation ist er weiterhin tätig und auch zum Beispiel als Bierbrauer oder als Uhrenfabrikant.

Mutig durchstarten

Alpensymposium-Organisator Oliver Stoldt holte auch dieses Jahr erfahrene Referenten aus Wirtschaft und Gesellschaft nach Interlaken: Unter dem Motto „Plan B“ ermunterten sie unternehmerisch denkende Menschen, im Zeitalter einer rasanten Digitalisierung innovativ, inspiriert und intensiv Ideen und Trends zu entwickeln, umzusetzen und mutig durchzustarten. Der ohne rechte Hand geborene Freiburger Michel Fornasier zeigte, wie er seit drei Jahren dank seiner neuen bionischen Handprothese «iLimb Ultra Revolution», regelmässig zweihändig unterwegs ist. Der Arzt, Manager, Autor und CliniClown Dr. Roman F. Szeliga und der Kabarettist Florian Schroeder machten mit erfrischendem Wortwitz deutlich, wie stark Humor Business und Gesellschaft positiv beeinflussen kann.

Die zwei indonesischen Teenager Melati und Isabel Wijsen stellten eindrücklich ihre Organisation vor, welche die Einwohner Balis dazu bringen will, auf Plastik zu verzichten und damit die Plastik-Verseuchung der Meere zu vermindern. Mahsa Amoudadashi, Deutschlands erste Herzlichkeitsbeauftragte, wollte mit Wertschätzung die Verbundenheit der Mitarbeitenden gewinnen und sie zu motivierten Mitunternehmern machen. Den Blick von unten nach oben schärfte die Berner Professorin für Weltraumforschung und Planetologie, Kathrin Altwegg, u.a. mit der Kometensonde Rosetta und dem mitfliegenden Massenspektrometer Rosina und für die „Kunst des klaren Denkens“ machte sich der Philosoph, Betriebswirtschafter und Autor Rolf Dobelli stark. Der Schauspieler und Schriftsteller Samuel Koch, der bei „Wetten, dass..?“ verunfallte, in seinem zweiten Buch „Rolle vorwärts“ zeige sich überzeugt, dass das „Leben weitergeht als man denkt“. Gekonnt in Szene gesetzt, werden die Referenten traditionell von Moderator Stephan Klapproth.

 


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