Vorfreude herrscht im Schweizer Pavillon

Die Eröffnung des Gotthard-Basistunnels im Juni 2016 stand am Sonntag im Schweizer Pavillon im Mittelpunkt eines Symposiums, organisiert von den Gotthardkantonen. Für einmal „Vorfreude herrscht“, sagte Alt Bundespräsident Adolf Ogi, Visionär der Neuen Alpentransversale, vor 130 geladenen Gästen. Die Eröffnung des 57 km langen Tunnels sei ein Grund zum Feiern für die Gotthardkantone, die Schweiz, Italien und Europa. Mehrere weitere Referenten informierten in emotionalen Ausführungen über die Planung und die Realisierung des Gotthardbasistunnels.

Alt Bundesrat Adolf Ogi, der vom Bürgermeister von Domodossola, Mariano Cattrini, zum Dank für die Verwirklichung seiner Vision mit einer gravierten Tafel ausgezeichnet wurde, stand die „Vorfreude“ ins Gesicht geschrieben. Als einer der Väter des Grossprojekts hat er das politisch geöffnete Zeitfenster gespürt und erreicht, dass der Bundesrat 1989 auf neue Alpentransversalen gesetzt hat: Nämlich Gotthard und Lötschberg gleichzeitig. Der Gotthard-Basistunnel speziell symbolisiere die Innovationskraft und Zuverlässigkeit der Schweiz, sagte Ogi vor den Gästen am Alptransit-Tag der Gotthardkantone im Schweizer Pavillon an der Expo in Mailand. Lötschberg und Gotthard bewiesen die Pionierrolle der Schweiz für eine umweltfreundliche Verkehrspolitik im Alpenraum. Die Schweiz habe damit ihre Verpflichtungen gegenüber Europa erfüllt und hoffentlich erfüllten Deutschland und Italien ihre ebenso, denn die NEAT sei in Erwartung von effizienten Zufahrten gebaut worden.

Emotionale und technisch anspruchsvolle Entstehung

Die Neue Europäische Alpentransversale (NEAT) mit den Lötschberg-, Simplon- und Gotthardlinien wird die schnellste Nord-Südverbindung auf der Schiene in Europa mit dem längsten Eisenbahntunnel der Welt! Im Schweizer Pavillon warfen bedeutende, in die Realisierung des Tunnels involvierte Exponenten einen Blick zurück auf die höchst emotionale und technisch anspruchsvolle Entstehung dieses Bauwerks und einen Blick nach vorne auf das wachsende Verkehrsaufkommen sowie das Zusammenrücken der nördlichen und südlichen Metropolitanräume.

Gregor Saladin, verantwortlich im Bundesamt für Verkehr (BAV) für die Eröffnung Gottardo2016 im Juni nächsten Jahres, informierte über die langfristige Planung der schweizerischen Verkehrspolitik in Jahrzehnten mit stark wachsendem Verkaufsaufkommen. Er betonte, dass die NEAT auch ein Tunnel für den Güterverkehr auf der wichtigsten Achse zwischen Nordsee und Mittelmeer sei. Die Schweiz transportiere inzwischen 70 Prozent des alpenquerenden Güterverkehrs auf der Schiene, erklärte Saladin. Er rechnete damit, dass die Zufahrtsachsen in Deutschland bis 2030 und jene in Italien bis 2020 zur Eröffnung des Ceneri-Tunnels ebenfalls vollendet seien. Der nötige Vier-Meter-Korridor auf den Schweizer Zufahrtsachsen sei dann auch bereit.
Adrian Wildbolz, Abschnittsleiter GBT Nord und Mitte der AlpTransit Gotthard AG, verwies auf die Probleme und die damit zusammenhängende Kritik in den Medien vor zehn Jahren wegen Projektänderungen, aus geologischen Gründen und aufgrund bautechnischer Herausforderungen mit der Tunnelbohrmaschine. Jetzt sei man aber auf der Zielgeraden, die NEAT als Vorzeigeprojekt auf Kurs, die Bahntechnik eingebaut und mit dem Testbetrieb habe man begonnen. Eindrücklich zeigte er auf, wie sich die mutmasslichen Endkosten und das Risikopotential seit Juni 2007 von CHF 14.5 Milliarden bis jetzt auf knapp über die gewünschten CHF 13 Milliarden angeglichen haben.

48’000seitiges Vertragswerk

Einen Eindruck der Dimension des Projektes vermittelte René Röthlisberger von der Transtec Gotthard. Für den Ausbau des Tunnels und den Einbau der Bahntechnik sei mit 90 Ingenieuren in neun Monaten ein Vertragswerk von 48’000 Seiten entstanden. Extreme geologische Bedingungen und die Einbrüche von 45grädigem Bergwasser habe man in den Griff gekriegt und seit 2008 den Einbau der Bahntechnik realisiert. Die Baubahnen hätten dabei zwischen den Bauplätzen und den Logistikzentren im Norden und Süden mit 770’000 Kilometer zweimal die Strecke von der Erde zum Mond zurückgelegt. Im Gespräch mit dem Moderator Walter Finkbohner schliesslich machte Cornelius Scheifele vom Bohrmaschinenunternehmen Herrenknecht (Schweiz AG) deutlich, dass grosse Projekte wie der Gotthard-Basistunnel nur mit dem Miteinander aller involvierten Parteien und einer gezielten Kommunikation gelingen. Auch der längste Weg bestehe aus kleinen Schritten und die Kommunikation mache es aus. Nicht von ungefähr seien zum Beispiel Führungen in der Infostelle in Erstfeld bis kommenden März bereits ausgebucht. Dort ist ein Modell der Tunnelbohrmaschine und der grosse Bohrkopf im Orignal zu sehen.

Sozialökonomischen Auswirkungen

Über die Zusammenhänge von Regionalpolitik und der nationalen und internationalen Verkehrsplanung informierte Aurelio Vigani, Projektleiter Verkehr im Bundesamt für Raumentwicklung ARE. Laut ARE-Studie rechnete er mit einer Zunahme des Verkehrsaufkommen und einer Verringerung der Gesamtkosten des alpquerenden Schienengüterverkehrs. Bei den sozialökonomischen Auswirkungen sah Vigani einen positiven Impuls für die demografische und wirtschaftliche Entwicklung im Urner Talboden in der Tourismusentwicklung im Urner Unterland sowie ein Wachstum von Bevölkerung und Beschäftigung in den vier Tessiner Agglomerationen, insbesondere Bellinzona und Locarno und ebenfalls günstige Entwicklung im Tourismus. Diese Einschätzung bestätigte Ulrich Schäffeler, Leiter Netzentwicklung BLS Netz AG, aufgrund der Erfahrungen und den Entwicklungen, die seit der Eröffnung des Lötschberg-Basistunnels gemacht wurden.

Die vier Gotthardkantone Graubünden, Uri, Tessin und Wallis präsentieren sich mit ihrer Ausstellung „Acqua per l’Europa“ erfolgreich im Schweizer Pavillon an der Expo Milano 2015. Die Weltausstellung mit dem Thema „Nutrire il pianeta, energia per la vita“ erwartet bis Ende nächster Woche 22 Millionen Besucherinnen und Besuchern aus der ganzen Welt. Im Schweizer Pavillon sind bereits über zwei Millionen Besucherinnen und Besucher eingekehrt. Als Partner des Schweizer Pavillons nutzten die Gotthardkantone Graubünden, Uri, Tessin und Wallis das Potential der Weltausstellung und setzen auch zum Abschluss der Expo noch wichtige Akzente.